Ein Beachfighter auf Abwegen
Es ist immer gut, sich neue Ziele zu setzen und so bin ich auf den Mammutmarsch
gestoßen. Bei der Anmeldung und der Auswahl der möglichen Strecken waren mir
30km irgendwie zu wenig, 42km schon deutlich fordernder aber letztendlich habe ich
mich für die 60km mit angegebenen 1.000 Höhenmeter entschieden ohne zu wissen,
was da wirklich auf mich zukommt. Also hieß die Devise fleißig vorbereiten und or-
dentlich trainieren, ganz dem Motto “train hard, fight easy”. Die Vorbereitung lief ohne
Problem und war schnell vorüber. Dann war er da, der 11.09.2026. Der Tag vor dem
Start und dem Check-in im Start- und Zielbereich. Lange war es her, dass ich in so
einem Bereich war, aber ich hatte direkt Bock auf den Start am 12.09.2026. Um
07.30 Uhr war mein Startslot und schon ging die Reise am Römerkastell in Stuttgart
los. Die Tour verlief anfänglich durch malerische Weinberge in Bad Cannstatt und
hoch auf den Killesberg mit einer schönen Aussicht auf das morgendliche Stuttgart.
Die Wege waren abwechslungsreich und die Strecke gut ausgeschildert. Die ersten
15km vergingen super schnell und schon war der erste Verpflegungspunkt erreicht.
Ein erstes Hungergefühl war auch schon da, also gab es einen Hotdog auf die Hand
und was zu trinken. Der Hotdog war schnell gegessen und es ging weiter immer in
grobe Richtung nach Esslingen. Jetzt wurde es zunehmend anspruchsvoller und die
Anstiege häuften sich. Lange rauf und wenig runter. Bei Streckenkilometer 20 hatte
ich schon 800 Höhenmeter gemeistert und ich passierte das Stadion der Kickers aus
Stuttgart in unmittelbarer Nähe zum Wahrzeichen der Landeshauptstadt. Nach weite-
ren anstrengenden Anstiegen war ein weiterer Verpflegungspunkt in Degerloch er-
reicht. Hier erwartete mich ein leckeres Stück Käsekuchen und eine weiteres Zucker-
haltiges Elektrolytgetränk auf mich. Das Halbzeit-Schild kam kurz danach. Beine fühl-
ten sich super an und so marschierte ich weiter auf Asphalt und Waldwege in Rich-
tung Ostfildern. Aus dem Wald kommend konnte ich schon Esslingen sehen und
auch die Strecke bis dahin. Super, dachte ich. Den Rest geht jetzt auch noch leicht
von der Hand. Angenehmerweise ging es bergab und ich konnte mich von den vielen
Anstiegen erholen und der dritte und vorletzte Verpflegungspunkt war mein nächstes
Ziel. Allerdings machten sich nun meine Beine deutlich bemerkbar ob der bisherigen
40 marschierten Kilometer. Ich habe mir dort eine warme Kartoffelsuppe gegönnt und
diese sitzend genossen mit dem Wissen, dass noch knapp 20km anstehen. Nach-
dem ich meine Schuhe und Socken frisch gerichtet und mir ne Brezel auf die Hand
genommen hatte, ging es weiter. Da ja die meisten Höhenmeter schon absolviert
waren, hatte ich die Hoffnung, dass es schön am Neckar entlang in Richtung Stutt-
gart geht. Dieser Gedanke wurde schneller zunichte gemacht als gedacht, denn es
ging steil auf Kopfsteinpflaster die Weinberge hoch. Die tollen Ausblicke konnten das
zwar etwas abfedern, doch Kopfsteinpflaster macht echt Mürbe und ist auch mental
eine echte Herausforderung. Die Kilometer wurden immer länger und die Muskeln
meldeten sich immer mehr ob der Anstrengung. Als Belohnung durfte ich am Ende
noch eine schmale Weinbergtreppe in Richtung Untertürkheim runter. Nach 50 km ist
das echt kein Geschenk, aber was will man machen. So ist halt die Strecke, aber
Stuttgart war ja schon erreicht und der letzte Verpflegungspunkt war zum Greifen
nah. Endlich ging die Streckenführung am Neckar entlang und ich konnte den Son-
nenuntergang bewundert. Mit den letzten Sonnenstrahlen erreichte ich den sehn-
lichst herbeigesehnten letzten Verpflegungspunkt mit deutlich schmerzenden Beinen
und Füßen. Ich stärkte mich mit einem belegten Brot, einer Cola und spendierte mir
eine längere Pause. Ich packte gemütlich meine Stirnlampe aus und machte mich auf
die letzten Kilometer. Die ziehst du jetzt voll durch, sagte ich mir. Beim 55km Schild
war mir klar, dass es die letzte Stunde zum Ziel ist. Im Vergleich zu den bisherigen
über 13 Stunden ist das ja ein Klacks, dachte ich. Da hatte der Veranstalter natürlich
was dagegen und musste eine weitere Hürde einbauen. Die letzten Kilometer waren
Park- und Treppenlastig. Das brennen meiner Schenkel stieg mit jeder Stufe und es
hörte einfach nicht auf. Nach gefühlt 200 Treppen kam dann endlich das Schild mit
den letzten 1000 Meter. Es war das schönste Schild des Tages und die Vorfreude
auf die Ziellinie machte sich breit. Schmerzen hin oder her. Alles war vergessen. Eine
letzte rechts Kurve und der Zielbogen kam näher während ich von sechs freiwilligen
mit Pompons empfangen wurde. Mit einem Lachen ging ich über die Ziellinie und hab
mir meine Medaille um den Hals hängen lassen. Es war eine super Erfahrung diese
60 km gemeistert zu haben und es wird sicherlich nicht meine letzter Mammutmarsch
sein. Insgesamt war ich über 14,5 Stunden unterwegs, habe 1.200 Höhenmeter ge-
meistert und im Nachhinein habe ich jede einzelne Minute genossen.
